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Yousef Nadarkhani: © Privat

18.10.2011

Yousef Nadarkhani

Der Fall des christlichen Pastors Yousef Nadarkhani (auch Naderkhani), der sich im Iran wegen „Apostasie“ in Haft befindet, weil er es ablehnte seiner Religion abzu­schwören, erzeugt derzeit große internationale Aufmerksamkeit.

Keine Todesstrafe gegen den iranischen Christen und Menschenrechtsaktivisten Yousef Nadarkhani wegen Religionswechsels!

Yousef Nadarkhani, 35 Jahre alt, konvertierte in seiner Jugend zum Christentum. Er protestierte gegen den Pflicht-Islam-Unterricht an iranischen Schulen, zu dessen Teilnahme auch seine in christlichem Glauben erzogenen Tochter verpflichtet wurde. Dafür ist er am 13. Oktober 2009 verhaftet und im September 2010 zum Tode verur­teilt worden, was der oberste Gerichtshof des Iran Ende Juni 2011 in letzter Instanz aufgehoben hat. Sein Fall wurde an eine niedrigere Instanz für neue Verhandlungen zurücküberwiesen, obwohl „Apostasie“ im iranischen Recht keinen Straftatbestand darstellt. Der Verfassung zufolge obliegt es iranischen Richtern ihre Kenntnisse des islamischen Rechts anzuwenden, sofern kein ausformuliertes Gesetz vorliegt. Beim ursprünglichen Urteil verwiesen die Richter auf eine Fatwa (Rechtsgutachten) von Ayatollah Khomeini, dem Gründer der Islamischen Republik Iran, um zu ihrer Entscheidung zu gelangen.

Während der vier-tägigen Verhandlung im September 2011 lehnte Yousef Nadarkhani es ab seinen christlichen Glauben zu widerrufen, was zur Folge hat, dass er erneut zum Tode verurteilt werden kann. Am 29. September sagte sein Anwalt gegenüber Amnesty International, er erwarte binnen einer Woche das Urteil. Yousef Nadarkhani hätte erneut das Recht Einspruch gegen das Urteil einzulegen und den obersten Gerichtshof anzurufen. Zuletzt wurde ein Rechtsurteil des Obersten Führers, Ayatollah Khamenei, angefordert.

Nach dem internationalen Aufschrei wegen seines Falls sagte Fars News Agency, die enge Verbindungen zu den Revolutionsgarden hat, zufolge ein iranischer Offiziel­ler am 30. September 2011, dass Yousef Nadarkhani keine Bestrafung wegen der Ausübung seines Glaubens zu fürchten hätte, sondern wegen „Erpressung und Vergewaltigung“ vor Gericht stehe. Yousef Nadarkhanis Anwalt dementierte dies und erklärte, dass derartige Vorwürfe weder während einer Verhandlung vorgetragen worden seien, bei der er anwesend war, noch in den Dokumenten des Gerichts erwähnt würden, die auch Amnesty International vorliegen. „Es ist schockierend, dass die Behörden im Iran überhaupt darüber nachdenken einen Menschen hinzurichten nur weil er eine andere Religion als den Islam für sich erwählt“, so Hassiba Hadj Sahraoui, stellvertretender Abteilungsleiter für den mittleren Osten und Nordafrika bei Amnesty International.

Amnesty International betrachtet Yousef Nadarkhani als gewaltlosen politischen Gefangenen (Gewissensgefangenen), der allein wegen der Ausübung seiner Religi­on festgehalten wird und fordert die iranischen Behörden auf ihn unverzüglich und bedingungslos aus der Haft zu entlassen.

09.09.2012: Heute wurde gemeldet, Yousef Naderkhani sei freigekommen. Man habe ihn zwar zu einer Haftstrafe veruteilt, die bereits erlittene Strafe werde allerdings angerechnet.

Die ausführliche Darstellung seines Falls finden Sie hier.

11.09.2012: Die neueste Mitteilung von amnesty zu diesem Fall finden Sie hier

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